Die Schriftstellerei und das Landleben

Auf dem Land kann man wenigstens in Ruhe schreiben, oder?
Ich würde lügen, würde ich behaupten, ich sei aufs Land gezogen, um in Ruhe schreiben zu können. Mein halbes Arbeitsleben, seit der Beendigung der Ausbildung, habe ich in der Düsseldorfer Innenstadt gelebt und auch schon geschrieben, so oft ich eben Zeit dazu hatte. Irgendwann bin ich nach Mettmann gezogen, weil mein altes Reitpferd in Rente ging und der Stall mit Weide eben in Mettmann lag.


Nach zwei weiteren Umzügen nutzte ich dann die Gelegenheit, auf dem Pferdehof ein kleines Haus zu mieten und war damit endgültig im Landleben angekommen. Grüne Idylle, himmlische Ruhe, Pferde, Ponys, Hühner, Hunde, Katzen, eingebettet in Feldern, Weiden, Wäldchen und Wanderwegen. In aller Ruhe vor dem Haus oder auf der Terrasse sitzen, den Blick schweifen lassen, den Amseln lauschen und schreiben. Soweit die Vorstellung.

Die Wirklichkeit sieht anders aus. Die Zeit zum Schreiben muss ich mir erkämpfen, ebenso wie in der Stadt. Neben dem Vollzeitjob muss ich den Haushalt führen, die Tiere versorgen, und ab und zu macht einem das Landleben einen dicken Strich durch die Rechnung. Wir sind Selbstversorger mit eigenem Brunnen für das Trink- und Nutzwasser, allerdings sitzen wir bei Stromausfall komplett auf dem Trockenen, weil dann auch die Pumpe nicht funktioniert. Kein Duschen, kein Wasser zum Kaffeekochen, keine Klospülung. Und wenn es zu sehr regnet, läuft der Brunnen voll, und das Wasser ist für einen Tag nicht genießbar. Bei plötzlichem Unwetter werden alle auf dem Hof raus geklingelt, um die Tiere in die Ställe zu bringen.

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Ausschlafen am Wochenende? Unmöglich. Wenn einen nicht die Hühner oder die wiehernden Pferde wecken, dann ist es der Traktor, der morgens um sieben über den Hof rattert. Ganz zu schweigen davon, dass um den Hof herum die Felder im Sommer die ganze Nacht abgeerntet werden, solange das Wetter trocken genug ist. Das eigene Pferd direkt am Haus zu haben, ist ebenfalls Ablenkung pur, weil man immer wieder einen Grund findet, um nur mal eben nach dem Dicken zu sehen.

Charaktere ausarbeiten, Plots erstellen, einer Geschichte das Fleisch auf die Knochen schreiben, erfordert aber Muße und Zeit, Hingabe und Konzentration. Manchmal denke ich, in meiner Düsseldorfer Stadtwohnung würde ich effektiver schreiben, aber da war die Ablenkung anderer Natur. Kneipen, Kino, Fernsehen, die Nähe zur Düsseldorfer Altstadt. Wenn man sich ablenken lassen will, findet man immer einen guten Grund. In der Stadt und auf dem Land.

Also, wer auch schon einmal davon geträumt hat, auf einem Hof auf dem Land zu schreiben, weil dort die Zeit langsamer vergeht und der Blick in die grüne Weite die Kreativität fördert, den darf ich enttäuschen. Die beste Umgebung zum Schreiben ist in Dir zu finden: Disziplin. Egal wo.

Pia Recht
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