Die Mona Lisa der Filme

Wer reist nicht gerne mit Hilfe eines Historienfilms zurück in die Vergangenheit? Ich mache das immer wieder sehr gerne. Aber gestern habe ich bemerkt, dass mir das noch nie gelungen ist, auch wenn ich das glaubte. Nachdem ich diesen Film gesehen habe, wusste ich, was bei allen anderen fehlt. Sie sind zwar, wenn sie gut gemacht sind, mit authentischen Fassaden, Kutschen und Kostümen ausgestattet, aber es fehlt etwas. Die Darsteller sprechen wie heutige Menschen, sie lösen ihre Probleme ähnlich, sie haben oft heutige Wertmaßstäbe, und sie vermitteln nicht das Gefühl, die Mentalität, die Atmosphäre jener Zeit.

 

Gestern bin ich zum ersten Mal wirklich in die Vergangenheit gereist. Mit allem Drum und Dran. Mit Gefühl, Mentalität, Sprache und Atmosphäre. Ich glaubte nicht, einen Film zu sehen, ich glaubte in den Monitor einer real zurückgeschickten Zeitreise-Kamera zu sehen. Es war sooo echt. Einschließlich der ungewollten Unaufgeräumtheit und einschließlich des fantastisch transportierten Alltagsgefühls. Wahnsinn. Absoluter Wahnsinn.

Das (fiktive) Dorf Schabbach im Hunsrück im Jahre 1842. Jakob, der jüngste Sohn der Schmiede-Familie Simon träumt davon, der Enge des damaligen deutschen Lebens, der gesellschaftlichen und politischen Unfreiheit, sowie der Armut entkommen zu können, wenn er nach Brasilien auswandert. Er verschlingt ein Buch darüber nach dem anderen, lernt fremde Sprachen und die Vokabeln der Indianerstämme, die in diesen Reiseberichten beschrieben sind. Er sieht sehnsuchtsvoll den riesigen Auswanderertrecks nach, die sein Dorf nach und nach verlassen oder durch es hindurchziehen. In diesen Jahren wandern Zehntausende aus, und die Dörfer drohen auszubluten. Jakob beginnt, mit Jettchen anzubandeln, der Tochter des Edelsteinschleifers. Sie lässt sich von seinen Träumen von Brasilien anstecken, und alles sieht danach aus, dass sie mit ihm kommen wird.

Doch dann kommt Gustav, Jakobs älterer Bruder von seiner zweijährigen Militärzeit nach Hause und verführt Jettchen auf einem Dorffest. Sie wird schwanger und muss Gustav heiraten. Jakobs Welt zerbröselt vor seinen Augen, und von seinem Lebenstraum drohen nur Scherben zu bleiben. Mehr verrate ich an dieser Stelle nicht.

Doch nun zum Grund der von mir gewählten Überschrift dieser Rezension: Ich habe einen Lieblings-Liebesfilm, eine Lieblingskomödie, einen Lieblingswestern und viele Lieblingsfilme mehr. Aber "Die andere Heimat" von Edgar Reitz (Regie) und Gernot Roll (Kamera) toppt sie in seiner Gesamtheit alle. Die durchgehend schwarz-weißen Bilder mit einigen wohlgesetzten Farbklecksen erzeugen eine Mischung aus Realität und märchenhafter Magie, das sucht seinesgleichen vergeblich. Die Story ist hammerhart gut, die Atmosphäre so extrem dicht, die Sprache (grammatikalisch) wie vor 200 Jahren. Dieser Film transportiert nicht nur eine Geschichte. Er transportiert spürbare und mit-erlebbare Realität in einem nie dagewesenen Ausmaß. In der Gesamtheit all seiner Facetten ist er ein monumentales Gesamtkunstwerk, das in der gesamten Filmgeschichte der Welt alle anderen Filme in den Schatten stellt. Der beste Film, der jemals produziert wurde. Weltweit. Die Mona Lisa der Filme. Hut ab!

Leider leider wurde er von 5,5 Stunden auf nur knappe 4 Stunden runtergekürzt. Ich hoffe inständig, dass einmal ein Directors Cut kommen wird.

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Heimat1

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